Studieren vor Ort – Universität zu Gast in Gunzenhausen

Reden über und reden mit Flüchtlingen

Sie lesen: Baum – was sehen Sie vor Ihrem inneren Auge? Eine Eiche, eine Tanne, einen Lindenbaum? Welches Bild taucht bei Geflüchteten auf? Eine Palme, einen Dornenstrauch, ein Kaktus? Welten treffen aufeinander – aber begegnen sie sich auch? Die Flucht hat Menschen Grenzen überschreiten lassen, hat sie an die Ränder ihrer bekannten Welt und darüber Europa, Deutschland, Bayern. Wir sagen „Baum“, „Familie“, „Einkaufen“ und meinen Bilder unserer Welt. Eine andere Welt, als die der Geflüchteten  – ihre inneren Welten fliehen mit, begleiten sie bis hierher. Jetzt sind sie hier, bei uns. Buchstäblich treffen Welten aufeinander – aber ist es auch Begegnung? Eine Herausforderung für alle, für uns Deutsche hier in unserem Heimatland, für die Gflüchteten mit all der Last ihrer Hoffnung, Leiden, Liebe, Erinnerungen. Letztendlich begenen sich keine Welten, sondern immer nur Menschen. Interkulturelle Kompetenz vermittelt die Fähigkeiten um Fremden zu begegnen ohne zu befremden. Reicht die Hand über die inneren Grenzen hinaus – auch unsere – damit wir Menschen, hier, Inländer und Ausländer, zusammen in Frieden, Freiheit und Sicherheit leben lernen. Interkulturelle Kompetenz vermitteln war Inhalt und Ziel eines Seminars für 12 Studierende der Katholischen Universität Eichstätt – Ingolstadt. Im Rahmen des Wahlmoduls zum Thema: „Aktuelle Herausforderungen in der Flüchtlingshilfe“ unter der Leitung von Dr. Beate Klepper erlebten die Studierenden zwei volle Tage Gastfreundschaft im Café mittendrin.

Theorie und Praxis interkultureller Kompetenz füllte den ersten Tag und eine intensive Einführung in Modelle und Haltungen interkultureller Kompetenz rückte so manche Vorstellungen zurecht. Wie selten reflektieren wir wirklich über unsere ersten Reaktionen, wenn das Fremde uns berührt! Das konnten die Studierenden am Nachmittag und am 2. Tag erleben. Die direkte Begegnung mit zwei jungen Männern, einer aus dem Irak, der andere aus Somalien. Sie sprachen offen über ihr Befremden als sie nach Deutschland kamen, all das Neue  in den ersten Tagen in der Erstaufnahme, dann das Zauberwort „Transfer“ in die nächste Bleibe, dann das quälende Warten ohne Arbeit, ohne Beschäftigung in den Gemeinschaftsunterkünften, schließlich die Anhörung beim BaMF und Arbeitserlaubnis. Erste Schritte in der deutschen Sprache, Begegnungen mit Deutschen, Botschafter der neuen Welt in die sie sich integrieren möchten aber noch nicht wissen wie. Ein Weg voller äußerer und innerer Herausforderungen. Und jetzt heisst es, auch ihre inneren Welten hier ankommen zu lassen. Denn das bedeutet Integration und Alltagskompetenz um hier das Leben zu meistern, eigenverantwortlich in Demokratie und Freiheit und Sicherheit.

Beide jungen Männer haben inzwischen Deutsch gelernt und einen festen Job gefunden. Der Iraker arbeitet als SofTechniker, der Somalier als Gabelstaplerfahrer in einem Logistikunternehmen. Beide haben ihre eigene Wohnung und freuen sich auf eine Zukunft in Deutschland.

Zwei Syrerinnen kochten arabische Speisen und freuten sich über den guten Appetit der jungen Leute. Am nächsten Tag erzählten engagierte Ehrenamtliche von ihrer Arbeit, und was sich in den Jahren seit der Flüchtlingswelle 2015 verändert hat. Viel hat sich getan! Vieles bleibt noch zu tun. Seit Jahren ist ihr stabiles Engagement Begegnung – Fremden helfen eine Schritt in eine Art Beheimatung zu finden, die unser Gemeinwohl stärkt. Es bleiben die Herausforderungen in Schule und Ausbildung, im Arbeits- und Zivilleben, Familienleben und Stärkung der Rolle der Frau. Wir alle lernen nicht nur übereinander, sondern auch voneinander, und vor allem miteinander in der konkreten Begegnung von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Für die Studierenden war es eine „hands on“ Erfahrung, Theorie und Praxis. Eine fruchtbare Kooperation zwischen Universität und Flüchtlingshilfe Wald.

 

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